Jahresrückblick der Bürgermeisterin

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

schon wieder neigt sich ein Jahr dem Ende entgegen und wird bald ein Teil der Geschichte sein. In meinem letzten Jahresrückblick habe ich das Jahr 2020 als „Corona-Jahr“ bezeichnet, und glaubte wie so viele andere Menschen daran, dass mit verfügbarem Impfstoff die Pandemie beendet sein könnte. Leider war das ein Trugschluss. Auch 2021 war wieder von Einschränkungen, Verzicht und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt, obwohl wir im Sommer und Herbst weitgehende Freiheiten genießen konnten, und uns immer besser auf die veränderte Situation einzustellen lernten.

Denn wer hätte während des Lockdowns Anfang des Jahres schon geglaubt, dass wir im September in Fronhausen unter Corona-Bedingungen Kirmes feiern würden? Während des ersten Halbjahrs gab es noch immer Homeoffice, Homeschooling und die Corona-Notbremse. Und wäre nicht ein politisches Vakuum durch die Bundestagswahl am 26. September entstanden, hätte sicher auch die vierte Welle keine solch hohen Infektionszahlen hervorgebracht. Allerdings sind die Zahlen im Landkreis Marburg-Biedenkopf und auch in unserer Gemeinde im Vergleich zu anderen Kreisen und Kommunen extrem niedrig. Deshalb möchte ich mich bei Ihnen allen für Ihr besonnenes und verantwortungsvolles Handeln im Umgang mit der Pandemie bedanken.

Zu diesem Erfolg beigetragen haben sicherlich auch die in unserer Gemeinde frühzeitig angebotenen Bürgertests. Schon im März 2021 hat die Gemeindeverwaltung über den Pflegedienst Görg kostenfreie Tests organisiert. Kurz später hat das Testzentrum des Deutschen Roten Kreuzes im Bürgerhaus Fronhausen sogar an sieben Tagen in der Woche diesen Service angeboten, der nur für wenige Wochen im Oktober und November nicht zur Verfügung stand.

Direkt nach Öffnung der Impfzentren haben wir die Impfkampagne mit Fahrten des Bürgerbusses für nicht mobile Personen unterstützt. Durch die Praxis Baalbaki wurde in den letzten Monaten, und insbesondere während der beiden Impfsamstage im Dezember eine erhebliche Anzahl an Bürgerinnen und Bürgern geimpft und „geboostert“. Auch das mobile Impfteam des Landkreises trägt zu diesem Erfolg bei. Dank der Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr, die sich um Verkehrslenkung und Wartende bemühten, verliefen alle Sonderaktionen reibungslos.

Die Pandemie hat neben allen negativen Auswirkungen aber auch einige notwendige Entwicklungen beschleunigt. Durch Kooperationen mit Landkreis, Land Hessen sowie dem kommunalen Gebietsrechenzentrum stehen bereits viele Verwaltungsprozesse und Dienstleistungen über unsere Homepage für die Bürger*innen der Gemeinde Fronhausen digital zur Verfügung. Auch der für Digitalisierung zuständige Koordinator des Landkreises fand im Rahmen eines ersten Gesprächs lobende Worte bezüglich des Digitalisierungsstands unserer Gemeinde.

Auch beim Ausbau der notwendigen Infrastruktur zur weiteren Nutzung moderner Medien hat die Gemeinde Fronhausen im Landkreis eine Vorreiterrolle eingenommen. Als Pilotprojekt für alle Kommunen mit Ausnahme der Stadt Marburg startete im Mai der flächendeckende Glasfaserausbau in unserer Gemeinde. Selbstverständlich ergeben sich durch eine solch umfassende Baumaßnahme auch eine Reihe von Problemen, die unser Bauamt in den vergangenen Monaten stark gefordert haben. Es fanden wöchentliche Abstimmungen, Begehungen, Kontrollen und Dokumentationen statt, die zusätzlich zu allen derzeit laufenden großen Projekten zu koordinieren waren. Wir erwarten jedoch nach dem erneuten Start der Bauarbeiten im Frühjahr nur noch wenige Monate Bauzeit.

Seit Oktober 2021 verfügt die Gemeinde Fronhausen mit der Bürger-App „Munipolis“ über ein Medium, um per SMS, E-Mail, Sprachnachrichten oder PUSH-Nachrichten direkt Informationen an die registrierten Bürgerinnen und Bürger zu senden. So können z. B. bei einem Wasserrohrbruch die betroffenen Anwohner eines Ortsteils oder einer Straße schnell und unkompliziert informiert werden. Insbesondere im Hinblick auf eventuelle Katastrophenfälle ist eine solche Möglichkeit enorm wichtig. Die Informationen selbst sind für die Bürgerinnen und Bürger kostenlos. Das Angebot wird stetig erweitert, und ich kann Ihnen die Installation der App nur empfehlen.

Natürlich wurde im zu Ende gehenden Jahr auch in nicht digitale Infrastruktur investiert. Mit der Baumaßnahme Gossestraße wurde die marode Bachverrohrung ausgetauscht. Durch die gewählte größere Dimensionierung soll auch gleichzeitig eine höhere Sicherheit im Hinblick auf immer häufiger auftretende Starkregenereignisse geschaffen werden. Hierzu dient auch das noch zu errichtende Rückhaltebecken in Verlängerung der Gossestraße, in welches zukünftig auch die Oberflächenwasser aus dem Baugebiet „Sportfeld“ geleitet werden. Leider wurden erhebliche Zusatzarbeiten während der Baumaßnahme nötig, so dass die geplante Einsparung in Höhe von 150.000€ gegenüber den zunächst angesetzten Gesamtkosten von 750.000€ doch nicht realisiert werden kann. Insgesamt ergibt sich eine geringfügige Verteuerung von 20.000€.

Mit dem Spatenstich am 11. Juni 2021 wurde mit dem Neubau des Feuerwehrstützpunkts Ost eines der bisher größten Bauprojekte in unserer Gemeinde gestartet. Insgesamt rund 3,3 Mio € werden hier investiert. Die Fertigstellung des Gebäudes und der Einzug der drei Ortsteilfeuerwehren Hassenhausen, Sichertshausen und Bellnhausen ist für Ende 2022 geplant. Auch mit der Bestellung von drei Fahrzeugen bauen wir weiter den Investitionsstau im Bereich Brandschutz und Sicherheit ab, und haben hierfür ca. 1,3 Mio € bereitgestellt.

Wie wichtig eine leistungsfähige Feuerwehr ist, haben wir zu Beginn des Jahres beim Brand des Bauhofgebäudes erlebt. Durch unsere schlagkräftige Tagesfeuerwehr waren umgehend genügend Kräfte vor Ort, um eine Ausbreitung des Feuers auf die Fahrzeughalle zu verhindern. Trotzdem wurde der Aufenthaltsbereich des Bauhofs inklusive Inventar komplett zerstört und die angrenzenden Räume in Mitleidenschaft gezogen. Die Sanierung zog sich mehrere Monate hin, wurde jedoch fast vollständig durch die Versicherung kompensiert. In Kombination mit der bereits laufenden Umbaumaßnahme des Bauhofs konnten räumlich erhebliche Verbesserungen für die Mitarbeiter erreicht werden.

Weiteren zukunftsweisenden Projekten haben wir mit der erfolgreichen Bewerbung um Fördermittel Ende 2020 den Weg bereitet. Insbesondere die Aufnahme des Ortskerns Fronhausen in das Programm „Lebendige Zentren“ bietet enorme Chancen. In Zusammenarbeit mit einem Fachbüro haben wir dieses Jahr ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern während mehrerer Workshops erarbeitet. Dieses bildet den Leitfaden für alle Projekte, die mit dem Förderprogramm in den nächsten zehn Jahren umzusetzen sind. Insgesamt handelt es sich um geschätzte Projektkosten in Höhe von rund 16 Mio €, wovon 11 Mio € an Fördermitteln zu erwarten sind.

Kontrovers diskutiert wurde im Sommer das Projekt „Sportzentrum“ Fronhausen, für welches wir über 1 Mio € Förderung vom Bund zugesprochen bekamen. Die Gemeindevertretung beschloss daraufhin, dass zunächst die Entwurfsplanung des Vorhabens durchgeführt werden, zeitgleich aber auch eine Kostenermittlung für die Sanierung der beiden Bestandsplätze erfolgen sollte. Sobald die Varianten vorliegen, wird eine endgültige Entscheidung getroffen.

2021 war ein bedeutendes Wahljahr. Seit der Kommunalwahl am 14.03.21 haben endlich wieder alle Ortsteile neu zusammengesetzte, motivierte und engagierte Ortsbeiräte. Auch Parlament und Gemeindevorstand wurde neu gebildet. Zwar wird es zunehmend schwieriger, genügend ehrenamtlich engagierte Menschen zu finden, die ihre Freizeit im Sinne der Allgemeinheit einsetzen, aber es ist letztendlich allen Fraktionen gelungen. Mit der Bürgermeister- und Bundestagswahl am 26.09.21 wurden auch im Herbst noch einmal richtungsweisende Entscheidungen getroffen. Die Durchführung der Wahlen hat sowohl die Verwaltung der Gemeinde, als auch die ehrenamtlichen WahlhelferInnen stark gefordert. Für dieses Engagement kann ich mich nur bedanken.

Neben großen Projekten und Herausforderungen wurden im Jahr 2021 natürlich auch viele kleine Maßnahmen durchgeführt. Oft haben wir hierzu Fördermittel in Anspruch genommen, um die Finanzen der Gemeinde zu schonen. Erwähnen möchte ich hier z.B. die Instandsetzung von Forst- und Feldwegen, den Ersatz eines baufälligen Rohrdurchlasses am Rad- und Wirtschaftsweg von Fronhausen nach Sichertshausen oder Aufforstungsmaßnahmen im Gemeindewald.

Als Klimakommune setzen wir natürlich auch Schwerpunkte bei der Mobilität. Der Ausbau des Alltagsradverkehrs wird hierbei eine immer größere Rolle spielen. Die Planung für den Raddirektweg zwischen Fronhausen und Niederwalgern läuft bereits. Sobald wie möglich wollen wir auch die Umsetzung angehen, so dass ein wichtiger Streckenabschnitt in der Verbindung zwischen Marburg und Gießen fertiggestellt werden kann. Das Projekt wird zu hundert Prozent vom Land Hessen finanziert.

Wir haben uns für die nächsten Jahre viel vorgenommen. Damit unsere Verwaltung die Umsetzung stemmen kann, setzen wir auch auf interkommunale Zusammenarbeit. Mit den Gemeinden Weimar und Lohra sind wir schon auf vielen Gebieten gemeinsam unterwegs. Die Gemeindevertretungen haben Ende des Jahres die Machbarkeitsstudie zu Möglichkeiten vertiefter Zusammenarbeit zur Kenntnis genommen, und den Gemeindevorständen den Auftrag zur Ausarbeitung konkreter Pläne erteilt. Gemeinsam können wir besseren und effizienteren Service für unsere BürgerInnen liefern.

Die Gemeinde Fronhausen entwickelt sich prächtig. Lassen Sie uns auch weiterhin gemeinsam daran arbeiten, unsere Gemeinde lebens- und liebenswert zu erhalten.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2022.

Ihre Bürgermeisterin,

Claudia Schnabel

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email
Seite übersetzen »