Jahresbericht 2020 der Bürgermeisterin

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ein außergewöhnliches Jahr liegt nun hinter uns. 2020 wird uns wahrscheinlich immer als das Jahr der Corona-Pandemie in Erinnerung bleiben. Am 16. März begann der erste Lockdown, plötzlich stand das öffentliche Leben still. Kindergärten, Schulen, Geschäfte und Restaurants wurden geschlossen, selbst Spiel- und Sportplätze durften nicht mehr betreten werden. Auf eine Pandemie war in Deutschland und in der Welt wohl so niemand richtig vorbereitet. Deshalb wurde es nötig, beinahe wöchentlich die neuesten Verordnungen und Regelungen zu kommunizieren und zu erklären.

Nun sind wir mitten im zweiten Lockdown, der ausgehend von der guten Entwicklung im Sommer und frühen Herbst eigentlich nicht zu erwarten war. Maske, Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen bestimmen seit Monaten unser Leben, trotzdem sind die Infektionszahlen kaum zu bremsen und Ansteckungswege meist nicht mehr nachvollziehbar.

Wie wir damit umgehen ist ganz unterschiedlich. Wirklich bewegend war die Anzahl der Hilfsangebote im Frühjahr, welche auf unseren Aufruf in der Gemeindeverwaltung eingingen. Vor allem die vielen Kinder und Jugendlichen, die Einkaufshilfe oder Gassigänge mit dem Hund anboten, möchte ich hier hervorheben. In Zeiten in denen gesellschaftliches Engagement immer weiter zurückgefahren wird, ist dies ein Lichtblick für die Zukunft. Auch andere Aktionen, die Menschen ganz selbstlos für die Allgemeinheit organisiert haben, geben Hoffnung im sonst eher trostlosen Jahr 2020. Zum Jahresabschluss setzten in Sichertshausen noch einige Anwohner die alte Lahnbrücke durch Beleuchtungstechnik in Szene, und trugen so zur festlichen Stimmung des Jahreswechsels bei. Auch die Kirchengemeinden und die Gemeindeverwaltung haben mit Gemeindewichteln oder Überraschungskonzerten und Ausschnitten aus der Weihnachtsgeschichte noch vielen Menschen Freude bereitet, ebenso entschädigte die Feuerwehr viele Kinder für den ausgefallenen Sankt Martinsumzug mit einer Ersatzaktion.

Durch die Pandemie gebremst wurden die Veranstaltungen für das Jubiläum des Ortsteils Oberwalgern. Der Förderverein „1250 Jahre Oberwalgern“ hatte unglaublich engagiert und ideenreich das Festjahr 2020 vorbereitet. Doch nach der sehr erfolgreichen Bilderausstellung im Februar mussten alle weiteren geplanten Veranstaltungen abgesagt bzw. verschoben werden. Auch das 75jährige Jubiläum der SG Fronhausen wurde ins nächste Jahr verlegt. In welcher Form in 2021 Veranstaltungen stattfinden können, kann heute jedoch noch nicht vorausgesagt werden.

Auch unsere Vereine und das gesamte kulturelle Leben wurden 2020 stark eingeschränkt. Noch kurz vor dem Lockdown fanden z.B. in Sichertshausen und Fronhausen tolle Lesungen statt, doch dann war Schluss. Zwar konnten Chöre und Bläser im Sommer noch unter freiem Himmel üben, und erfreuten die Menschen durch Kostproben an sonst ungewohnten Orten, aber seit Oktober sind weder Mannschaftssport noch gemeinsame Musik möglich. In Zeiten von Vereinssterben ist dies wirklich bedenklich. Ich hoffe, dass sich nach der Pandemie wieder genügend Engagement aufbringen lässt, um bisher erfolgreiche Vereinsarbeit fortzusetzen.

Abgesehen von der Pandemie als alles beherrschendes Thema des Jahres 2020 wurden jedoch auch sehr erfolgreiche Projekte in unserer Gemeinde umgesetzt oder gestartet.

Noch kurz vor Jahresende wurde die Erschließung des Baugebiets Hasenpfad in Bellnhausen beendet und die entstandenen Bauplätze in der Gemeindevertretersitzung am 05. November gemäß Vergaberichtlinien unter den Bewerbern verlost.

Im Ortsteil Sichertshausen konnte durch die Beteiligung engagierter Freiwilliger, des Bauamts und des Bauhofs die Neugestaltung des Spielplatz Tannenweg erfolgen. Ermöglicht wurde dies unter anderem durch Fördermittel des Programms „Starkes Dorf“. Aus dem gleichen Programm wurden für den Spielplatz in der Ortsmitte Bellnhausen durch rührige Eltern Gelder eingeworben und eingesetzt. Fördermittel der Region Marburger Land ermöglichten die Sanierung von Fassade und Tür des Backhauses in Sichertshausen, ebenso wie den Umbau der alten Abfallgrube am Friedhof Fronhausen zum Ausstellungsraum für besondere Grabdenkmäler.

Im Bereich der Fördermittelakquise sehr aktiv zeigte sich auch der Förderverein Blaulichtfreunde Bellnhausen, der für den neuen Stützpunkt Ost eifrig Mittel einsammelte. Dieses Millionenprojekt wurde hinsichtlich Umsetzungsstrategie ab Sommer noch einmal auf den Prüfstand gestellt. Aufgrund fehlender Liquidität durch die ungeplanten Gewerbesteuerausfälle als Folge der Pandemie, ließen wir über einen Gutachter die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit einer regionalen Bank prüfen. Diese erstellte ein Angebot für den Bau des Stützpunkts mit anschließender langfristiger Vermietung an die Gemeinde. Leider erwies sich dies für die Gemeinde als unvorteilhaft, so dass in der letzten Sitzung des Jahres durch die Gemeindevertretung der Beschluss zum Eigenbau gefasst wurde. Ebenfalls bereitgestellt wurden in dieser Sitzung weitere Gelder zur Bestellung von zwei Feuerwehrfahrzeugen.

Um allen Hauseigentümern eine langfristige Planungssicherheit zu geben, wurde seit 2019 ein sogenanntes Straßenkataster erstellt. Ein Fachbüro fertigte eine Fotodokumentation aller gemeindlichen Straßen und Wege samt Bürgersteige und Rinnen. Dies wurde durch Fachpersonal bewertet, so dass für alle Abschnitte der öffentlichen Anlagen Zustandsklassen ermittelt werden konnten. Im vergangenen Jahr wurden diese Unterlagen dann an den Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt übergeben, damit hieraus eine Prioritätenliste zur Straßensanierung und zum Straßenausbau erstellt werden kann.

Fertiggestellt wurde im Jahr 2020 die Umgestaltung des Bürgerbahnhofs Fronhausen. Nachdem sowohl Bolz- als auch Basketballplatz im Frühjahr bereit intensiv genutzt wurden, konnte unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln Anfang Juni mit Beteiligung von gleichzeitig bis zu 50 Freiwilligen innerhalb von vier Tagen trotz teilweise widrigen Wetterbedingungen der Spiel- und Bewegungsbereich aufgebaut werden. Auch hier haben wieder viele Kinder und Jugendliche kräftig mit angepackt, um eigene Vorstellungen umzusetzen, aber auch für die Allgemeinheit etwas zu gestalten. In dieses Projekt sind insgesamt knapp 250.000 € aus dem Budget der Region Marburger Land geflossen.

Bezüglich der Höhe zugesagter Fördermittel wurden wir im weiteren Verlauf des Jahres noch deutlich überrascht. Zunächst erhielten wir im September die Information, dass unser Projektantrag für den Bau eines gemeindlichen Sportzentrums im Bereich „Hartplatz Fronhausen“ in das finale Förderverfahren aufgenommen wurde. Und zwar mit einem unglaublichen Förderbetrag von etwas über einer Million Euro. Im Dezember dann kam die erfreuliche Nachricht über die Aufnahme des Ortskerns Fronhausen in das Förderprogramm „Lebendige Zentren“. In diesem Programm werden Ortsteile ab 2.000 Einwohner für bis zu zehn Jahre bei der Umsetzung von Projekten zur Daseinsvorsorge, Wohnraumschaffung, Denkmalschutz, Energieeffizienz und Klimaschutz gefördert. Die von uns beantragte Fördersumme beträgt über neun Millionen Euro.

Klimaschutz spielte auch bei weiteren Projekten eine große Rolle. Um den sichtbar angeschlagenen Kommunalwald zu unterstützen, wurde im Frühjahr eine Pflanzaktion durch die Gemeinde initiiert. Leider fiel diese direkt in den ersten Lockdown mit seinen Unsicherheiten, so dass die bereits bestellten Setzlinge dann doch durch Hessen Forst in die Erde gebracht wurden. Auch weitere Aufforstungen unter Inanspruchnahme von finanzieller Unterstützung von Bund und Land wurden im Laufe des Jahres durchgeführt. Dass dies aber nur ein Anfang sein kann, sieht jeder, der mit offenen Augen durch den Wald geht.

Um die Gemeinde Fronhausen fit für die Zukunft zu machen, wurden gleich mehrere Projekte gestartet oder fortgeführt. Zunächst konnte zum Jahresende der erste Schritt zur Digitalisierung von Verwaltungsleistungen für die Bürgerinnen und Bürger vollzogen werden. Anträge in mehreren Bereichen stehen nun online zur Verfügung, weitere werden nach und nach ergänzt. Gemeinsam mit mehreren Kommunen und einem Team des Landkreises beteiligen wir uns an einem geförderten Projekt zur Umsetzung des Online Zugangs Gesetzes. Die Voraussetzungen für einen schnellen Zugriff und Versand von Daten wollte die Deutsche Glasfaser mit ihrem Angebot zum Ausbau der Glasfaserinfrastruktur in fünf Ortsteilen schaffen. Leider haben bisher nur drei der Ortsteile diese Chance ergriffen. Wir arbeiten aber gemeinsam mit dem Landkreis und der Deutschen Glasfaser an einer Lösung.

Zusammenarbeit ist auch das Stichwort für ein weiteres langfristiges Projekt. Mit unseren Nachbarkommunen Weimar und Lohra haben wir eine Machbarkeitsstudie zur Interkommunalen Zusammenarbeit angestoßen. Diese wird komplett durch das Land Hessen finanziert, da die Überlebensfähigkeit kleiner Gemeinden wie unserer in den nächsten Jahren immer stärker in Frage gestellt wird. Mittlerweile wird von jeder kleinen Kommune erwartet, dass die gleichen Leistungen wie in jeder größeren Stadt erbracht werden. Die drei beteiligten Gemeinden jedenfalls erhoffen sich von gemeinsamem Vorgehen einen Zugewinn für die Bürgerinnen und Bürger.

Auch wenn 2020 unbekannte Herausforderungen brachte, sind doch Engagement und Gemeinsinn in vielen Lebensbereichen zu Tage getreten. Hierauf können wir in unserer Gemeinde stolz sein. Lassen Sie uns weiter daran arbeiten, unsere Gemeinde lebens- und liebenswert zu erhalten.

Ihre Bürgermeisterin,
Claudia Schnabel

 

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