Ausblick

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

nachdem mit 2019 ein überaus erfolgreiches Jahr für die Gemeinde Fronhausen abgeschlossen wurde, stellt sich nun die spannende Frage, was uns das neue Jahrzehnt und insbesondere das Jahr 2020 wohl so bringen mag.

Da wir es geschafft haben trotz verspäteter Veröffentlichung der landesweiten Orientierungsdaten, unter Mühen, Anstrengungen und einer unglaublichen Kooperationsbereitschaft aller Gemeindevorstände und Gemeindevertreter den Haushalt für das Jahr 2020 schon am 12.12.2019 zu beschließen, erwarten wir eine zügige Bearbeitung durch die Kommunalaufsicht und das Regierungspräsidium.

Trotz eines enormen finanziellen Guthabens, dem erfolgreichen Ausgleich der seit 2008 aufgelaufenen Defizite und dem Abbau der Kassenkredite, erfüllt unser Haushaltsentwurf 2020 leider nicht alle Vorschriften der Haushaltsverordnung. Unser geplanter Überschuss von rund 785 T Euro besteht aus in den Vorjahren gebildeten Rücklagen. Es gibt jedoch eine Vorschrift, dass man die Ausgaben des laufenden Jahres nur durch die Einnahmen des gleichen Jahres bezahlen darf. Das wäre ins Privatleben übersetzt so, als würde man vorschreiben, dass für die Renovierung eines Hauses Sparguthaben nicht verwendet werden dürfen, sondern nur das laufende Einkommen.

Dies ist kaum logisch erklärbar.

Die hohe Gewerbesteuereinnahme im Jahr 2019 im Vergleich zur geringen Einwohnerzahl führt dazu, dass wir in 2020 über Umlagen mehr an den Landkreis und das Land Hessen zahlen müssen, als wir an Steuern einnehmen werden. Die Berechnung dieser Umlagen basiert nämlich auf den Einnahmen der Vorjahre. Als fünftkleinste Gemeinde im Landkreis müssen wir die vierthöchste Gewerbesteuerumlage zahlen, und werden in 2020 mit knapp 3 Mio Euro mehr belastet, obwohl wir tatsächlich wesentlich weniger Steuern als in 2019 erhalten werden. Brauchen wir also weniger Gewerbesteuer? Nein, wir brauchen mehr Einwohner, damit wir weniger Steuern abgeben müssen. Denn unser Guthaben wird schnell aufgebraucht sein, wenn wir in 2020 mehr abgeben als einnehmen.

Bei der Aufstellung des Haushalts haben wir darum gekämpft, eine Grundsteuererhöhung abzuwenden. Wem kann man erklären, dass die Aufsichtsbehörden trotz Rekordeinnahmen und hohen finanziellen Guthaben, allein aus Gründen der Einhaltung von Vorschriften und Vorgaben, der Gemeinde die Anhebung der Grundsteuer auf einen „zumutbaren“ Höchstsatz von derzeit 1.050 Prozentpunkten vorschreiben könnte. Dies haben wir hoffentlich erfolgreich verhindert.

In 2020 und auch in den Folgejahren müssen wir abwägen, was wir uns leisten können und müssen. Denn die Beschaffung von zwei Feuerwehrfahrzeugen, sowie der Bau des Stützpunktes Ost genießen Priorität und werden in den nächsten beiden Jahren knapp 4 Mio Euro kosten. Selbstverständlich ist die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen an den Stützpunkten in Oberwalgern und Fronhausen weiterhin geplant, eine Planungsgruppe aus Feuerwehrkräften, Gremienvertretern und einem Architekturbüro erarbeitet mögliche Umbaualternativen für diese Standorte. Die zeitliche Realisierung jedoch wird sich danach richten, welche Mittel wann zur Verfügung stehen. Auch nötige Ersatzbeschaffungen von Fahrzeugen und Ausrüstung sind für die Jahre 2020 und folgende vorgesehen, um den vorhandenen Investitionsstau möglichst zügig aufzulösen.

Dennoch kann sich unsere Gemeinde mit den bereits erreichten und zukünftig geplanten Maßnahmen wirklich sehen lassen.

Wir betreuen in unseren Kindergärten derzeit 187 Kinder in 9 Gruppen, davon 2 Krippengruppen für Kinder ab 1 Jahr, das sind 80% der Kinder zwischen 1 Jahr und Schuleintritt. Hierfür werden im nächsten Jahr rund 1,1 Mio Euro durch die Gemeinde gezahlt. Dass dies für Eltern ein gutes Angebot ist, zeigt sich in der steigenden Geburtenrate. Bis Anfang Dezember wurden im Jahr 2019 bereits 39 Kinder geboren. Natürlich bedeutet das, dass wir die provisorische Nutzung des DGH Bellnhausen für eine zusätzliche Kindergartengruppe schnellstmöglich durch eine permanente Lösung ersetzen müssen. Hier prüfen wir gerade verschiedene Varianten.

Auch durch Zuzug ist unsere Gemeinde gewachsen, in den letzten 4 Jahren um circa 70 Einwohner. Und das obwohl die Bemühungen um neue Baugebiete eher schleppend Fahrt aufnehmen. Die Nachfrage nach Baugrundstücken ist groß und der Markt für Immobilien ist in Fronhausen unglaublich angespannt.

Die Erschließung des Baugebiets „Hasenpfad“ Bellnhausen in 2020 ist daher nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Deshalb arbeiten wir auch mit Nachdruck am Bebauungsplan „Stollberg/Sportfeld“ im Ortsteil Fronhausen. Natürlich ist Innenverdichtung eine hervorragende Lösung, aber auch erheblich schwieriger als das Wachstum im Außenbereich. Zumal es in diesem Gebiet bereits bestehende Häuser gibt, deren Eigentümer nun durch Erschließungsmaßnahmen beeinträchtigt werden. Die Schaffung weiterer Bauplätze ist allerdings nach der gescheiterten Ausweisung des Baugebiets „Lärchenscheid“ aufgrund der hohen Nachfrage unabdingbar. Im Ortsteil Oberwalgern werden wir in 2020 voraussichtlich ein Bebauungsplanverfahren starten, und sind auch in anderen Ortsteilen, natürlich auch im Kernort, weiterhin auf der Suche nach verfügbarem Bauland.

Aber auch der Bau kleiner und größerer barrierefreier und teilweise auch geförderter Wohnungen in Verbindung mit Flächen für Gewerbe im Ortskern Fronhausen wird in 2020 gemeinsam mit einem Investor geplant. Hierfür müssen allerdings zur Sicherung der benötigten Fläche noch die Voraussetzungen für den jetzigen Eigentümer in Form eines Ausweichgrundstücks für die Pferdehaltung geschaffen werden. Deshalb wird die Ausweisung des „Sondergebiets Reiten“ im Außenbereich vorangetrieben.

Um das bestehende Einzelhandelsangebot auszuweiten, wird die Verlagerung und Vergrößerung des Aldi Markts in 2020 voraussichtlich durch die gemeindlichen Gremien verabschiedet werden können. Hierdurch wird auch noch eine kleine Erweiterungsfläche für Gewerbe geschaffen.

Das Jahr 2020 ist für den Ortsteil Oberwalgern sehr bedeutend. Schließlich wird man nur einmal 1250 Jahre alt. Der eigens gegründete Förderverein hat in Rekordzeit ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Aber nicht nur Oberwälger, sondern die ganze Gemeinde und unsere Nachbarn sollten die Gelegenheiten nutzen, und mit den Oberwälgern feiern.

Weitere Themen, die uns in 2020 und darüber hinaus begleiten und beschäftigen werden sind beispielsweise die Untersuchung und eventuelle Umsetzung der Interkommunalen Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen Weimar und Lohra. Hierfür haben wir gerade einen Förderbescheid für die Machbarkeitsstudie erhalten, die die Gemeinde Fronhausen federführend für die beiden anderen Kommunen begleiten wird. Hier wird sicherlich ein Grundstein für die Zukunftsfähigkeit unserer kleinen Gemeinden gelegt, damit wir auch in Zukunft noch lokal aber effizient für die Bürgerinnen und Bürger da sein können.

Das Thema Zukunft wird auch durch den geplanten Glasfaserausbau in unserer Gemeinde aufgegriffen. Die Gemeindevertretung hat in ihrer Dezembersitzung die Kooperation mit der Deutschen Glasfaser zum flächendeckenden Ausbau bis in jedes Haus beschlossen. Hier werden wir zum Vorreiter für die gesamte Region, denn ein solcher Ausbau ist im ländlichen Raum bisher kaum anzutreffen. Voraussetzung ist jedoch, dass genügend Haushalte einen Vorvertrag mit der Deutschen Glasfaser abschließen werden. Detaillierte Informationen folgen.

Natürlich muss auch die bestehende Infrastruktur, unsere Straßen, Wege und Bauwerke unterhalten werden. Im letzten Jahr wurden immense Schäden an den Kanälen und Verrohrungen im Bereich der Gossestraße festgestellt. Hier schafften wir es, gemeinsam mit dem zuständigen Zweckverband umgehend die Sanierungsplanung in die Wege zu leiten. Sobald das beauftragte Planungsbüro die Informationen zusammengestellt hat, werden diese den Anliegern vorgestellt.

Als anerkannte Klimakommune behalten wir bei allen Projekten das Thema Nachhaltigkeit auf dem Schirm. Wir werden im März eine Baumpflanzaktion gemeinsam mit Hessen Forst und der NABU durchführen, Neubauten und teilweise auch Bestandsgebäude werden mit regenerativer Energie beheizt, Blühflächen werden geschaffen und noch viele andere Projekte initiiert. Um immer wieder Ideen zu sammeln, werden wir zu weiteren Workshops in diesem Bereich einladen.

Sie sehen, dass es in unserer Gemeinde nicht langweilig werden wird.

Es gibt noch viele weitere Themen, an denen wir arbeiten. Einige davon werde ich sicherlich im Wochenblatt und auf unserer Homepage in den nächsten Monaten vorstellen.

Falls es jedoch etwas gibt, was Sie schon immer mal interessiert hat, wozu Sie sich mehr Informationen wünschen, dann schreiben Sie mir gerne.

Wir haben auf unserer Internetseite den Bereich „Bürgerdialog“ eingerichtet, wo solche Fragen und die dazugehörenden Antworten zukünftig zu finden sind. Diese werden dann auch im Wochenblatt veröffentlicht.

Ich wünsche Ihnen und uns ein erfolgreiches Jahr 2020.

Ihre Bürgermeisterin
Claudia Schnabel

 

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