Kommunale Allianz reduziert Windvorrangflächen

Bei dem Thema Windkraftanlagen spalten sich nicht selten die Meinungen. Die einen finden sie störend, andere wiederum können nicht Schlechtes an ihnen finden. In unser Landschaftsbild sind sie aus einem ganz bestimmen Grund eingezogen. Auslöser war nämlich der 11. März 2011. An diesem  Tag ereignete sich die Tragödie von Fukushima. Ein Ereignis, das alle schockierte. Solch eine Katastrophe sollte in Deutschland nicht passieren, da war man sich einig. Deshalb beschloss die Bundesregierung zur Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger den Ausstieg aus der Atomkraft.

Profitieren sollen die Betroffenen

Diese Entscheidung rief massig die Projektierer von Windkraftanlagen auf den Plan. Sie versuchten von nun an überall Flächen für Windkraftanlagen zu akquirieren. Auch wenn die Richtung der Bundesregierung bis heute unkritisch ist, sind zu viele Windrädern für eine Region auch nicht gut. Davon waren sieben BürgermeisterInnen schon im Jahr 2013 überzeugt. Über zwei Landkreise hinweg schlossen ihre Kommunen eine Allianz und stellten in dem Zeitraum von 2013 bis 2016 einen gemeinsamen Flächennutzungsplan auf. Dieser sollte einen Wildwuchs von Windkraftanlagen verhindern. Zu den Gemeinden zählten Buseck, Ebsdorfergrund, Fronhausen, Rabenau, Reiskirchen sowie die Städte Allendorf/Lumda und Staufenberg. Sie schlossen sich zudem zur Energiegesellschaft Lumdatal GmbH zusammen, der auch die Gemeinde Wettenberg sowie die Städte Lollar und Pohlheim als Gesellschafter angehören. Wenn die Windräder schon vor der eigenen Tür stehen, soll wenigsten gewährt sein, dass die Gewinne aus dem Betrieb der Anlagen vor Ort bleiben. Dass auch eine direkte Bürgerbeteiligung in diese Energieprojekte möglich ist, wird über die Bürgerenergiegenossenschaft Sonnenland sichergestellt.

28 Flächen werden auf 5 reduziert

Auf das Betreiben der BürgermeisterInnen sowie der Kommunalparlamente wurde ein gemeinsamer Flächen-nutzungsplan aufgestellt, der erstmals in Hessen über zwei Landkreise hinweg dem Wildwuchs von Windkraftanlagen begegnete. Während des rund vierjährigen Entwicklungsprozesses  fanden vier öffentliche Beteiligungsmöglichkeiten statt. Das sind doppelt so viele, wie bei der Erstellung eines Flächennutzungsplans gefordert sind. 181 Beteiligte nutzten dieses Angebot zur Eingabe von Anregungen und Bedenken. 111 kamen von Bürgerinnen und Bürgern, 70 von Trägern öffentlicher Belange. Dieses Engagement erreichte, dass die 28 möglichen Vorrangflächen auf fünf reduziert wurden. Hätten die sieben Kommunen den Flächennutzungsplan nicht aufgestellt, ständen heute bereits mehr Windkraftanlagen als zukünftig noch errichtet werden können. Die Gemeinden und ihre Bürgermeister verstehen sich daher als erste „Bürgerinitiative“, die den Wildwuchs von massenhaften Windkraftanlagen über Jahre im Gebiet des gemeinsameren Flächennutzungsplanes verhindert hat.

Landeigentümer nutzen ihre Rechte

Ende 2017 wurde der gemeinsame Flächennutzungsplan durch den übergeordneten Teilplan Energie Mittel-hessen, der vom Regierungspräsidium erlassenen wurde, ersetzt. Auf dessen Basis versuchen nun Projektierer Pachtverträge mit Landeigentümern abzuschließen. Die BürgermeisterInnen gönnen den Landeignern selbstverständlich die Pachteinnahmen. Sie warnten aber von Anfang an, u.a. die Waldeigentümer, vor Geschäften ohne Beteiligung der Kommunen. Die Anlagen in eigener Regie zu betreiben, ist dann nicht mehr möglich. Die Rendite fließt in diesem Fall nur den institutionellen Anlegern und nicht der Region, sprich den Bürgerinnen und Bürgern, zu. Zum Leidwesen aller Betroffenen hörten nicht alle Grundstückseigentümer auf diese Empfehlung. Deshalb werden heute auch Windräder ohne Nutzen für die Allgemeinheit auf den Windvorrangflächen des Regierungspräsidiums gebaut. Ihre Anzahl kann jetzt nicht mehr zugunsten einer größeren Akzeptanz vertraglich reduziert werden.

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